Mehr als Vereinsleben: Wie Engagement Laxenburg seit Generationen prägt

Wer an Laxenburg denkt, denkt meist zuerst an Schloss, Franzensburg und Schlosspark. Doch ein erheblicher Teil dessen, was einen Ort lebenswert macht, entsteht abseits der großen Sehenswürdigkeiten: durch Menschen, die gemeinsam etwas organisieren, erhalten, ausprobieren oder für andere tun.

Das zeigt sich in Laxenburg besonders deutlich. Manche dieser Gemeinschaften bestehen seit Generationen, andere wurden erst vor wenigen Jahren gegründet. Sie sorgen für Sicherheit und soziale Unterstützung, betreiben Jugendarbeit, bewahren Ortsgeschichte, organisieren Sport und Veranstaltungen – oder bringen Menschen ganz einfach an einen Tisch.

Und manches davon hat sogar weit über Laxenburg hinaus Geschichte geschrieben.

Seit 1870 im Einsatz: Die Freiwillige Feuerwehr

Zu den ältesten bis heute aktiven Gemeinschaften des Ortes gehört die Freiwillige Feuerwehr Laxenburg. Sie feierte 2020 ihr 150-jähriges Bestehen und wurde damit bereits 1870 gegründet. Ihre eigene historische Dokumentation reicht bei der Geschichte des Feuerlöschwesens in Laxenburg sogar noch wesentlich weiter zurück.

Was heute dahintersteht, wird leicht unterschätzt. Die Feuerwehr zählt aktuell 93 Mitglieder – davon 68 Aktive und zwölf Mitglieder der Feuerwehrjugend – und erledigte allein 2025 insgesamt 186 Einsätze. Ihr Einsatzgebiet umfasst neben dem Ortsgebiet unter anderem Teile des Industriezentrum NÖ-Süd, Autobahn, Bahnstrecke, Schlosspark, Gewässer und zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude.

Die Feuerwehr ist damit ein gutes Beispiel dafür, dass „Vereinsleben“ viel zu kurz greift: Hier werden Gemeinschaft, Nachwuchsarbeit und gesellschaftliches Engagement mit einer Aufgabe verbunden, auf die im Ernstfall der ganze Ort angewiesen ist.

Als Laxenburg internationale Pferdesportgeschichte schrieb

Eine Geschichte, die vermutlich nicht allen heutigen Laxenburgerinnen und Laxenburgern bewusst ist, führt in den Schlosspark der 1960er- bis 1980er-Jahre.

1966 veranstaltete der spätere langjährige Pferdesportfunktionär und ORF-Mann Peter Nidetzky das erste große Reit- und Springturnier in Laxenburg. Schon dieses Turnier brachte eine technische Premiere: Erstmals kam bei einem österreichischen Reitturnier elektronische Zeitmessung zum Einsatz. Das Abschiedsspringen gewann damals der gerade einmal 15-jährige Thomas Frühmann, der später zu den bekanntesten österreichischen Springreitern gehören sollte.

Aus dem Union Reitclub Laxenburg entwickelte sich in den folgenden Jahren ein international bekannter Veranstalter. Insgesamt fanden sieben internationale Nationenpreisturniere in Laxenburg statt – und schließlich zwei sportliche Großereignisse: 1977 eine Europameisterschaft im Springreiten und 1981 die Europameisterschaft im Dressurreiten.

Für einige Jahre war Laxenburg damit tatsächlich einer der bedeutenden Orte des europäischen Pferdesports.

Der Union Reitclub stellte 2016 seine Tätigkeit ein. Die Geschichte wirkt dennoch nach: Pferdesportverbände haben weiterhin ihren Sitz in Laxenburg, darunter der Niederösterreichische Pferdesportverband.

Tausende Zelte im Schlosspark: Laxenburg und die Pfadfinder

Auch die Verbindung zwischen Laxenburg und der Pfadfinderbewegung geht weit über die örtliche Pfadfindergruppe hinaus.

Der Schlosspark wurde bereits beim österreichischen Bundeslager 1961 und beim Wiener Landeslager „Vienna 1990“ als großes Lagergelände genutzt. Seinen bisherigen Höhepunkt erreichte diese Tradition im August 2010.

Zum hundertjährigen Bestehen der österreichischen Pfadfinderbewegung fand hier das internationale Jubiläumslager urSPRUNG 2010 statt. Rund 6.600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und mehr als 1.000 ehrenamtliche Mitarbeiter aus insgesamt 28 Nationen verwandelten den Schlosspark für zehn Tage in eine temporäre internationale Stadt. Die Presse berichtete damals von insgesamt rund 7.600 Menschen im Lager.

Die Dimensionen waren bemerkenswert: Mehr als 1.500 Zelte wurden aufgebaut, kilometerlange Wasser-, Strom- und Telefonleitungen verlegt. Allein am Besuchersonntag kamen laut Dokumentation rund 20.000 Gäste.

Heute betreut die Pfadfindergruppe Laxenburg Kinder und Jugendliche vom Vorschulalter bis zu den jungen Erwachsenen. Das jährliche Jurtenfest im Schlosspark zeigt zugleich, wie aus einer Jugendorganisation eine Veranstaltung für den ganzen Ort werden kann.

Zwei Vereine – und ein bemerkenswertes Jahr für die Ortsgeschichte

Auch die organisierte Beschäftigung mit Laxenburgs Geschichte hat ihre eigene Geschichte.

Der Kulturverein Alt-Laxenburg entstand 1987 aus der Initiative von vier jungen Laxenburger Heimatsammlern. Kurioses Detail: Wegen eines Einspruchs der Vereinsbehörde musste er Anfang 1988 noch einmal gegründet werden – im ursprünglichen Vereinsnamen fehlte das Wort „Kultur“.

Aus ersten heimatkundlichen Ausstellungen entwickelten sich Filmabende, Kulturfahrten, Lesungen, Kindertheater und zahlreiche weitere Aktivitäten. 1990 veranstaltete der damals unsubventionierte Verein erstmals den Laxenburger Sommerball, ursprünglich als Einnahmequelle für seine Arbeit gedacht. Mehr als drei Jahrzehnte später gehört der Ball weiterhin zum Veranstaltungskalender des Ortes.

Fast gleichzeitig entstand eine zweite Institution: Ausgangspunkt für den Kultur- und Museumsverein Laxenburg war die Ausstellung zum 600-jährigen Jubiläum der Markterhebung im Jahr 1988. Das Interesse war so groß und so viele historische Stücke waren aus Privatbesitz zusammengetragen worden, dass die Idee eines dauerhaften Museums entstand.

Heute sind aus dieser Initiative nicht nur Museum und Archivarbeit entstanden. Ausstellungen, Kulturfahrten, Konzerte, die Lange Nacht der Museen und inzwischen sogar eine Seniorendisco zeigen, dass das Bewahren von Geschichte keineswegs bedeuten muss, ausschließlich zurückzublicken.

Fußball: Neustart mit zwei österreichischen Fußballgrößen

Auch der Fußball hat eine Geschichte mit einigen überraschenden Details.

Als der heutige UFC Laxenburg 1993 neu gegründet wurde, stand zunächst nicht einmal ein eigener Fußballplatz zur Verfügung. Die Heimspiele mussten auf der Anlage des ASK Eichkogel in Neu-Guntramsdorf ausgetragen werden.

Dafür konnte der junge Verein personell ungewöhnlich prominent starten: Als sportlicher Leiter kam der 59-fache Nationalspieler Franz Wohlfahrt, als Spielertrainer der frühere Austria-Wien-Star und Nationalspieler Felix Gasselich.

Und der Neustart verlief spektakulär. In der ersten Saison 1993/94 gewann Laxenburg mit 25 Siegen aus 28 Spielen und einem Torverhältnis von 122:24 sofort die Meisterschaft der 2. Klasse Ost. Ein Spiel gegen den ASK Eichkogel endete sogar 17:0. In der folgenden Saison gelang mit 116 erzielten Toren gleich der nächste Meistertitel und Aufstieg.

Neben solchen sportlichen Erfolgen ist heute allerdings etwas anderes mindestens ebenso wichtig: Vereine wie UFC, Tennisclub oder SPORTUNION schaffen regelmäßige Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und damit Orte, an denen Kontakte entstehen, die weit über den Sport selbst hinausgehen.

Wenn 750 Menschen gemeinsam durch den Schlosspark laufen

Wie groß die Reichweite eines lokalen Vereins werden kann, zeigt die SPORTUNION Laxenburg.

Beim erst zum zweiten Mal veranstalteten Laxenburger Schlossparklauf gingen im März 2025 rund 750 Läuferinnen und Läufer aller Altersklassen an den Start.

Aus einem Vereinsangebot wird damit ein regionales Ereignis. Mit regelmäßigen Angeboten wie dem gemeinsamen sonntäglichen „Run together LAX“ versucht die Sportunion gleichzeitig, Bewegung auch jenseits klassischer Vereinskurse niederschwellig anzubieten.

Gerade darin liegt ein wesentlicher Teil des Community-Effekts: Man muss nicht sein ganzes Leben lang Vereinsmitglied sein, um an einer von Vereinen geschaffenen Gemeinschaft teilzunehmen.

Hilfe, die über Laxenburg hinausreicht

Gemeinschaft zeigt sich auch dort, wo sie weniger öffentlich sichtbar ist.

Das Hilfswerk Laxenburg wurde 1986 gegründet. 2003 kam ein ehrenamtlicher Besuchsdienst hinzu, 2008 die „mobile HILFSWERKstätte“. Mehr als 20 Ehrenamtliche schenken heute ihre Zeit für diese Aufgaben. Das Betreuungsgebiet beschränkt sich dabei längst nicht auf Laxenburg, sondern umfasst auch Achau, Biedermannsdorf, Hennersdorf, Münchendorf und Vösendorf.

Hier zeigt sich eine andere Form von Wirkung: Ein lokal gegründeter Verein ist zu einem sozialen Netzwerk für eine ganze Region geworden.

Vom Oldtimer bis zur Vespa: Gemeinschaft muss nicht jahrhundertealt sein

Laxenburgs Vereinslandschaft besteht nicht nur aus traditionsreichen Organisationen.

Beim Tag der offenen Türen 2024 öffneten beispielsweise Feuerwehr, VW Käfer Club, Musikschule, Kulturvereine, SPORTUNION, Tennisclub, Hilfswerk, Museum und Pfadfinder ihre Räume. Auch Institutionen wie die IIASA beteiligten sich. Plötzlich wurde sichtbar, wie viele sehr unterschiedliche Gemeinschaften im selben kleinen Ort nebeneinander existieren.

Wie schnell eine neue Gemeinschaft entstehen kann, zeigt der Vespa Club Laxenburg. Er wurde erst 2023 mit rund 15 Mitgliedern gegründet. Schon wenige Wochen später betrieb die Gruppe eine eigene Punschhütte beim Adventmarkt. 2024 zählte der Club bereits mehr als 40 Mitglieder.

Der gemeinsame Nenner ist nicht das Alter einer Organisation. Es ist die Bereitschaft von Menschen, aus einem gemeinsamen Interesse etwas zu machen, das über die eigene Person hinausgeht.

Engagement ohne Mitgliedsausweis

Und genau hier wird der Begriff „Vereinsleben“ inzwischen zu eng.

Bei der jährlichen Aktion „Sauberes Laxenburg“ waren im April 2026 knapp 80 Menschen gemeinsam unterwegs, um Müll im Ortsgebiet einzusammeln – darunter Familien, interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Mitglieder des Gemeinderats. Dafür braucht es weder Vereinsmitgliedschaft noch langfristige Verpflichtung: Man kommt und hilft mit.

Auch neue Modelle entstehen. Die Energiegemeinschaft Laxenburg ermöglicht es beispielsweise, überschüssigen Strom aus gemeindeeigenen Photovoltaikanlagen innerhalb der lokalen Gemeinschaft an Haushalte, Unternehmen und Gemeindeobjekte weiterzugeben. Rechtlich und organisatorisch ist das etwas völlig anderes als ein Sport- oder Kulturverein – der Grundgedanke des gemeinschaftlichen Handelns ist aber durchaus verwandt.

Und manchmal beginnt Gemeinschaft einfach an einem Wirtshaustisch

Seit 2026 veranstaltet laxenburg.info gemeinsam mit dem Laxenburgerhof und Unterstützern ein monatliches Pub Quiz. Familien, Freundeskreise, Nachbarschaften, Vereine und bestehende Quizteams treten dabei in kleinen Gruppen gegeneinander an; auch Einzelpersonen können sich anmelden und einem Team angeschlossen werden.

Natürlich steht ein Pub Quiz nicht auf derselben Ebene wie 150 Jahre Feuerwehrgeschichte oder jahrzehntelange soziale Arbeit. Interessant ist aber das Prinzip dahinter: Menschen, die einander vorher vielleicht nur vom Sehen kannten, sitzen plötzlich gemeinsam an einem Tisch, diskutieren über eine Antwort und kommen miteinander ins Gespräch.

Genau solche kleinen Kontakte sind ein Teil dessen, aus dem lokale Gemeinschaft entsteht.

Wussten Sie eigentlich, dass …

  • … Laxenburg Europameisterschaften im Springreiten und im Dressurreiten ausgetragen hat?
  • … beim ersten großen Reitturnier 1966 hier erstmals in Österreich elektronische Zeitmessung verwendet wurde?
  • … der damals erst 15-jährige spätere Spitzenspringreiter Thomas Frühmann dieses Turnier mit einem Sieg beendete?
  • … 2010 rund 7.600 Pfadfinder und ehrenamtliche Helfer aus 28 Nationen gleichzeitig im Schlosspark lebten?
  • … der heutige UFC nach seiner Neugründung 1993 in seiner ersten Saison 122 Tore erzielte und ein Meisterschaftsspiel mit 17:0 gewann?
  • … der Kulturverein Alt-Laxenburg wegen eines fehlenden Wortes im Vereinsnamen innerhalb weniger Monate zweimal gegründet werden musste?
  • … aus einer Jubiläumsausstellung von 1988 letztlich das heutige Museum Laxenburg hervorging?

Ein Ort lebt von den Menschen, die etwas daraus machen

Feuerwehr, Pfadfinder, Sportvereine, Kulturinitiativen, Hilfswerk, Interessensgemeinschaften, Energiegemeinschaft, Bürgeraktionen oder ein gemeinsamer Quizabend haben organisatorisch wenig miteinander gemeinsam.

Gesellschaftlich erfüllen sie jedoch eine ähnliche Funktion.

Sie schaffen Gelegenheiten, bei denen Menschen einander kennenlernen. Sie geben Wissen und Erfahrungen an die nächste Generation weiter. Sie organisieren Dinge, die eine Gemeinde oder ein Unternehmen alleine kaum ersetzen könnte. Manche leisten Hilfe, andere bewahren Geschichte, treiben Sport, veranstalten Feste oder sorgen schlicht für gemeinsame Erlebnisse.

Das ist vielleicht die interessanteste Erkenntnis beim Blick auf Laxenburgs Vereine und Initiativen: Ein beträchtlicher Teil des Ortslebens entsteht nicht einfach – jemand macht ihn.

Und diese Geschichte ist keineswegs abgeschlossen. Während manche Laxenburger Organisationen bereits seit mehr als einem Jahrhundert bestehen, kommen neue Gemeinschaften und neue Formen des Engagements hinzu.

Wer selbst Anschluss sucht, etwas ausprobieren oder sich engagieren möchte, findet im Verzeichnis von laxenburg.info Vereine, Organisationen und Initiativen aus Laxenburg. Die derzeitige Kategorie „Vereine & Engagement“ umfasst 19 Einträge; weitere Vereine finden sich aufgrund ihrer Tätigkeit auch in Bereichen wie Sport, Kultur oder Soziales.

Und wenn eine Laxenburger Initiative noch fehlt: Das Verzeichnis soll mit der Community wachsen.

Anmerkung zum Inhalt: Teile dieses Artikels bzw. einiges an Recherche dafür wurden mithilfe von KI erstellt. Die redaktionelle Kontrolle und Abnahme erfolgt hingegen ausschließlich durch die Redaktion.

Fotos: Unsplash

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